Martin Sacks Lehrbuch gewährt dem Leser in neun Kapiteln einen Einblick in die ressourcenorientierte Behandlung von Traumafolgestörungen. Ein besonderes Gewicht obliegt dabei der Behandlung von Klienten mit komplexen Traumafolgestörungen sowie dissoziativen Störungen.
Ein Handbuch für Therapeuten
Das Buch erreicht Schulen übergreifend Therapeuten, die sich mit Traumafolgestörungen in der Praxis beschäftigen, jedoch auch interessierte Laien. Allerdings werden Kenntnisse der einzelnen Therapierichtungen-, Methoden- und Formen vorausgesetzt, ebenso kann weiterführende Literatur notwendig werden. Betroffenen von Traumfolgesymptomen ist, wegen der Triggergefahr, zu raten, ein Lesen des Buches bzw. eventuell auslösender Abschnitte, individuell abzuwägen.
Schonende Traumatherapie
Der Autor favorisiert bei der schonenden Traumatherapie keine bestimmte Therapierichtung. Er setzt vielmehr darauf, die vorhandenen Methoden auf die aktuelle Situation des Klienten auszurichten – in möglichst wenig belastender Form für Klient und Therapeut – ausgehend von der gegenwärtigen Symptomatik und dem Vorhanden sein oder dem Aktivieren können ausreichender Bewältigungsressourcen. Die ressourcenorientierte Behandlung stellt ein neues Modell der Traumatherapie dar und soll eine Reduktion der Traumafolgesymptome bewirken.
Alltagssymptome und Ressourcen
Die schonende Traumatherapie orientiert sich, im Gegensatz zu konventionellen Behandlungsstrategien, an der Alltagssymptomatik des Klienten. Folglich finden in erster Linie die Symptome und Erinnerungen an das traumatische Geschehen, die sich im Jetzt, im Alltag zeigen Beachtung und nicht die vergangene Traumatisierung. Dadurch sollen regressive Entwicklungen möglichst begrenzt und das Therapieziel klar bestimmt werden. Eine wesentliche Bedeutung bei der Behandlung der Alltagssymptomatik beziehungsweise der Traumafolgesymptomatik kommt der Aktvierung von Bewältigungsressourcen zu. Diese helfen bei der Verarbeitung und Integration des Erlebten, und verhindern zudem eine Überforderung des Klienten.
Ressourcenaktivierung
Im Kapitel „Ressourcenaktivierung als therapeutische Zielsetzung“ von Barbara Gromes werden neben den Grundlagen ausführlich die Wirkungsweise und die Methoden der Ressourcenaktivierung erläutert. Sie beschreibt, für Laien ohne Vorkenntnisse durchaus verständlich, die Wichtigkeit von Ressourcen bei traumatischen Belastungen – bei Kindern und Erwachsenen. Dabei unterscheidet sie im Wesentlichen persönliche (internale) und äußere, also psychosoziale (externale) Ressourcen.
Resume
PD Dr. med. Martin Sack bietet in seinem Werk eine übersichtliche Darstellung zu den aktuellen Behandlungsmöglichkeiten von Traumafolgestörungen. Hierbei erläutert der Traumaforscher die Unterschiede zwischen konventionellen Ansätzen und der schonen Traumatherapie und gibt entsprechende Konzepte zur Umsetzung dieser an die Hand. Angefangen bei der Behandlungsplanung, der Diagnostik und der Behandlung von Traumafolgestörungen bis hin zu schonenden konfrontativen Behandlungstechniken und der Praxis der schonenden Traumatherapie. Darüber hinaus zeigt er Lösungen für Behandlungsprobleme auf.
Wie schonende Traumatherapie funktionieren kann
Martin Sack ist ein unbedingt empfehlenswertes und notwendiges Werk gelungen, das auf sehr anschauliche Weise die ressourcenorientierte Behandlung von Traumafolgestörungen darstellt. Für zusätzliche und über das Buch hinausgehende Informationen, beispielsweise zur EMDR-Methode, verweist der Autor auf die jeweiligen Internetseiten.
Martin Sack: Schonende Traumatherapie, Schattauer Verlag 2010, 248 Seiten, 29,95 €
Besten Dank an den Schattauer Verlag, für die freundliche Bereitstellung des Rezensionsexemplars.
